Es ist soweit. Meine Nerven liegen blank. Die Vorfreude auf den kommenden neuen Lebensabschnitt, und die Angst, die vom System geschürt und erwartet wird, bekämpfen sich gerade in mir. Aber der Sprung ist getan. Ein Sprung ins Ungewisse mit noch vielen notwendigen Vorarbeiten.

Arbeitslos

Ab sofort bin ich zum ersten Mal in meinem Leben arbeitslos. Ich habe mich mit meiner Firma auf eine einvernehmliche Kündigung geeinigt. Arbeitslos. Ein Wort das für viele einen Alarm auslöst. Es ist auch etwas, das die Wirtschaft unbedingt braucht und haben will. Man kann so immer den Arbeitnehmern drohen, dass man ohne Probleme immer einen Ersatz für jemanden findet, und kann natürlich so die Gehälter niedriger halten. Arbeitslos ist also auch dem System einverleibt und angehörig. Aber ist es denn nicht genau das, was ich nicht wollte. Will ich denn nicht einfach mal aus dem ganzen Sklavendasein ausbrechen. Bin ich das denn auch wirklich?

Systemkonformität

Da bin ich jetzt also. Kein Job = kein Gehalt mehr. Eine Familie mit hungrigen Mäulern, die vielleicht irgendwann alles verspeisen wird, was sich ihnen in den Weg stellt. Ich mache dann einen dezenten Schritt zur Seite. Hey, so einfach soll es doch nicht sein. Also fangen wir einmal an unseren ganzen kapitalistischen Ballast loszuwerden. Dieser hat es nämlich an sich, aufgrund der Anziehungskräfte, zu einem immer größeren Ballast zu werden. Ein Ballast der nicht nur die Geldbörse strapaziert, sondern auch die Nerven. Der nicht nur den Lebensraum immer mehr einschränkt und zu mehr Quadratmeter Wohnfläche verleitet – im Notfall kann man ja mittlerweile schon externen Storage (Lagerräume) mieten – sondern der auch auch die Zeit beim auf- und wegräumen progressiv ansteigen läßt. Das erzürnt die Nerven nur noch mehr und läßt viele Menschen in einen Kaufrausch verfallen, um die armen Dingerchen (die Nerven halt) zu beruhigen, die dann aber beim wieder länger gewordenen Zeitaufwand (aufräumen etc.) zum erneuten und noch stärkeren vibrieren anfangen. Naja, sagen wir halt es ist ein Engelskreis für die Wirtschaft, aber ein Teufelskreis für die Nerven, und erst recht für die Umwelt.

Ballast

In einem Heißluftballon ist es ja recht einfach den Ballast, der diesen zur Erde zwingen will, wieder loszuwerden. Zumindest habe ich das noch vom Anschauen von Pipi Langstrumpf (ich glaube auch bei “In 80 Tagen um die Welt”) in Erinnerung. Da hängt der Ballast in Form von Sandsäcken an der Seite, und wenn man plötzlich zu niedrig dahin fliegt, dann bindet man einen Sack nach dem anderen los und lässt sie fallen. Nach unten. Hat da denn auch irgend jemand darauf geachtet, ob sich darunten dann auch jemand befinden könnte? Schreie hörte ich keine, aber hört man denn dann noch welche? In der Wohnung ist es nicht so einfach. Alles aus dem Fenster zu schmeissen ist da keine Lösung, und wer will schon, dass die Wohnung plötzlich anfängt zu fliegen?

Flohmärkte und anderes

Also fängt man mal an zu sortieren und gibt völlig entkräftet auf. Was hat sich denn nicht alles so angesammelt in den Jahren. Man findet Dinge von denen man nicht mal ahnte sie zu besitzen. Alle diese neuen Begegnungen kosten Zeit, also packt man schnell alles zusammen, legt einiges zur Seite um es später genauer zu begutachten, und bringt Megatonnen an Sachen zum angekündigten Wohnungsflohmarkt. Es fängt gut an. Die ersten Neugierigen sind schon vor der Eröffnung da um die schönsten Stücke zu ergattern, die sich dann jedoch nur die gratis angebotenen Waren schnappen und sich auf nimmer Wiedersehen verabschieden. Ab der Halbzeit ist Schluss. Es kommt niemand mehr und die paar zerquetschten Euros machen die Reisekasse nicht fett. Das wieder zurückschleppen der Kisten macht auch nicht fett, eher das Gegenteil. Ist ja auch etwas Positives. Die Fotos der zum Verkauf angebotenen Dinge in den Apps werden zum Glück nicht so schnell vergilbt wie die in einem Fotoalbum, jedoch aber genauso oft angesehen. Nämlich alle heiligen Zeiten einmal. Ja angesehen werden sie, aber Interesse wecken sie nicht. Man will doch eher neue Dinge besitzen. Wohin also mit all dem Zeugs. Spenden ginge da noch. Abholen will sich das aber keine Organisation. Wenn man schon spendet, dann bring es doch auch gefälligst vorbei. Ohne fahrbaren Untersatz? Naja gelogen. Ein Fahrrad, ein Roller oder ein Skateboard sind ja vorhanden. Das kann ja noch lustig werden.

Fortsetzung folgt…